«La Donna della Domenica» zergeht wie Eis auf der Zunge

Bei dieser Hitze werden Erinnerungen an Ferien in bella Italia wach. An das erste Gelato, eiskalten Caffè Freddo und an die schon etwas vergilbten Romane des brillanten Turiner Autorenduos Fruttero & Lucentini. Voller Raffinesse und Präzision porträtieren sie die Turiner Gesellschaft, so zum Beispiel im 1974 erschienenen Meisterwerk «Die Sonntagsfrau». Darin wird ein erfolgloser Architekt mit einer Waffe erschlagen, die so unaussprechlich ist, dass die Polizei geheimhält, worum es sich handelt. Während die beiden Autoren ihren sizilianischen Kommissar Santamaria ermitteln lassen, legen sie wie mit einem Skalpell Schicht für Schicht der Turiner Gesellschaft offen. Es ist, neben Humor und Ironie, besonders die frappante Menschenkenntnis, die ihre Bücher überaus lesenswert machen. Fruttero & Luccentini ist auch die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft, geprägt von «gegenseitigem Desinteresse», wie die Autoren es ausdrückten. Vielleicht gelang ihnen deshalb, was Kritiker für unmöglich hielten: meisterhaft vierhändig zu schreiben.

Carlo Fruttero & Franco Lucentini: Die Sonntagsfrau. München, Piper Verlag (1974), auch als e-book erhältlich.

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